MED-RFQ für Krebstherapie
Freitag, 24. Mai 2013

Medizin-RFQ

Unser kleiner Dauerbrenner. - dieser RFQ ist wohl der erste seiner Art, der in Serie produziert wird. Zum Einsatz kommt diese ca. 1,40 m lange Struktur in Schwerionentherapieanlagen wie das HICAT in Heidelberg, dem CNAO (Centro Nazionale di Adroterapia Oncologica) Italien, der Röhnklinik in Marburg und dem NRoCK (Nordeuropäisches Radioonkologisches Centrum Kiel). Weitere Anlagen sind im Aufbau bzw. in Planung.


Der RFQ ist natürlich nur ein kleiner Teil des gesamten Beschleunigerkomplexes. In seinem Aufbau spiegelt sich aber die für die Gesamtanlage gültige Grundanforderung einer kompakten, für den klinischen Alltagsbetrieb tauglichen Auslegung wieder. Als Besonderheit dieses RFQs ist die Integration der aus Driftröhren bestehenden Bunchereinheit am Strahlausgang besonders hervorzuheben. Eine derartige integrierte RFQ-Driftröhrenkombination wurde hier erstmals realisiert. Auch die gewählte Betriebsfrequenz von 217 MHz führt zu einer besonders kompakten Lösung.


Der große Vorteil bei der Behandlung von Tumorerkrankungen mit Schwerionen (vornehmlich Kohlenstoff) ist die Ausbildung des sogenannten Bragg-Peaks. Gemeint ist damit folgendes: Im Vergleich zu herkömmlichen Bestrahlungsmethoden mit Photonen oder Elektronen, entfalten Schwerionen ihr zerstörerisches Potenzial in einer wohl definierten, von der Einschussenergie abhängigen Eindringtiefe. Das ermöglicht ein hochpräzises Therapieverfahren, bei dem einerseits gesundes Gewebe geschont, andererseits der Tumor außerordentlich effizient bekämpft werden kann. Der Tumor lässt sich mit einer Präzision ähnlich der eines chirurgischen Skalpells entfernen, ohne dass der Körper geöffnet werden muss. Das ist besonders interessant in Körperregionen, die schlecht zugänglich sind (Gehirn, Prostata, Augen usw.). Im Rahmen eines Pilotprojektes bei der GSI in Darmstadt, haben sich hervorragende Heilungschancen, insbesondere für nach herkömmlichen Methoden als unheilbar geltende Patienten ergeben.

Der 4. RFQ dieser Baureihe wurde kürzlich  in Kiel von der Siemens AG erfolgreich in Betrieb genommen. Eine Veröffentlichung hierzu finden Sie in den Proceedings zur LINAC2010 Koferenz.

 
Design: Prof. Dr. A. Schempp, Dr. A. Bechtold